Über mich

mathias 2014 ohne Pferd kleinerNach langjähriger Tätigkeit als Kultur-Redakteur beim „Kölner Stadtanzeiger“ (1971 bis 1982), bei der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ (1982 bis 1991) und  beim Magazin DER SPIEGEL (1991 bis 2007, danach dort aktiv als Autor, u.a. für SPIEGEL GESCHICHTE) bin ich zu meinen Anfängen zurückgekehrt, und die fanden – fast parallel zum Staatsexamen in Philosophie und Germanistik – statt im Medium Buch. 1967 erschien mein erstes Buch-Werk: der Lyrikband „Ein Steinbock steht im Zimmer“.  Seit 2008 habe ich fünf Sachbücher zu philosophischen und ideengeschichtlichen Themen publiziert, damals beginnend mit „Was von uns bleibt. Über die Unsterblichkeit der Seele“, dann weiter  im September 2013 mit dem vor allem zeitkritischen Buch „Würde. Was wir verlieren, wenn sie verloren geht“ (siehe Genaueres unter „Vita“ und „Bibliografie„) sowie im März 2017 vorerst abschließend mit der politiktheoretischen und historischen Studie „Verräter. Helden der Finsternis von Judas bis Snowden“. Ein längerer Essay von mir zur Kunst-Biografie meines Vaters, des 1978 verstorbenen Malers Otto Andreas Schreiber, erschien in dem von Konrad und Rosemarie Donhuijsen herausgegebenen, reich bebilderten Buch „Otto Andreas Schreiber 1907 – 1978; ein Malerleben“ unter dem Titel „Der mit den Pferden spielte“ im Kölner Wienand-Verlag (2015).

Philosophie, Geschichte, Politik, Religion (ich verstehe mich als christlichen Mystiker ohne Kirchenknute), Kunst, Architektur und Literatur waren und sind meine Haupt-Interessensgebiete. Die so reizvolle wie heikle Beziehung zwischen Deutschland und Frankreich zum Beispiel lässt sich ohne Kenntnisse in diesen Fächern kaum verstehen. Das gilt beispielsweise auch für das vielschichtige Verhältnis zwischen Deutschland und Polen, da empfiehlt sich etwa  die Lektüre von  Manfred Alexanders Buch „Kleine Geschichte Polens“ (Reclam Verlag) – zu meinem Familien-Stammbaum gehört eine polnische Urgroßmutter.  In Köln und Frankfurt beteiligte ich mich an den  Debatten über die jeweils modernste Kunst-Auffälligkeit – lässt mich heute eher kalt – sowie an dem damals heftigen Streit über die „postmoderne“ Korrektur des  Bauhaus-Funktionalismus.

1989/90 habe ich in der FAZ zahlreiche Kritiken zu TV-Sendungen veröffentlicht, die sich mit dem Für und Wider der deutschen Wiedervereinigung befassten. Die Ereignisse damals haben mich mehr politisiert als das legendäre Jahr 1968.  Die hitzigen Aufbrüche und Frontenbildungen der 68er Soziokultur, zumal deren blinde Gefolgschaft gegenüber (Klassen-) Hasspredigern wie Rudi Dutschke oder Herbert Marcuse,  blieben mir  fremd. Der Grund dafür: Durch einen längeren Aufenthalt in den USA, unmittelbar vor 1968, hatte ich die relativ selbstverständliche, fast heitere Liberalität des us-amerikanischen Universitätsmilieus schätzen gelernt. Im Vietnam-Krieg war für mich eine naive Politik gescheitert, nicht der ganze „Yankee“-Kapitalismus.

Bis heute ist mir darum auch der tendenzielle Anti-Amerikanismus der deutschen Linken suspekt. Ich habe nicht vergessen: Nach 1945 war die us-amerikanische Besatzungszone bei den Deutschen die weitaus beliebteste, und ohne die us-amerikanische Einwirkung auf Frankreich und England wäre die deutsche Wiedervereinigung wohl nicht zustande gekommen.

Mathias mit PferdIch verstehe mich als konservativen Liberalen. Mit speziellem Interesse an der historischen Stadt- und Dorfkultur Europas und mit einer starken emotionalen Beziehung zu bestimmten Landschaften sowie – ich geniere mich da überhaupt nicht! – zu Tieren, vor allem zu Pferden, Hunden, Vögeln, Fröschen,  Fischen und Bienen. „Der Gerechte erbarmt sich seines Viehs“ – unter dieser alttestamentarischen Überschrift habe ich 1988 – in der Weihnachtsnummer der FAZ – einen Essay veröffentlicht.

Ich finde es ungerecht, wie die FDP nach der Bundestagswahl 2013 ins gesellschaftliche und mediale Abseits geschubst wurde, dabei hatte sie kaum weniger Stimmen als die dann vieldiskutierte AfD. Zur Erinnerung: Die FDP ist immerhin die Partei von Theodor Heuss, Ralf Dahrendorf („Bildung ist Bürgerrecht“), Karl-Hermann Flach und Christian Wolfgang Lindner. Guido Westerwelle war besser als sein Ruf. Und ohne Hans-Dietrich Genschers FDP wäre Helmut Kohl niemals zum „Kanzler der Einheit“ geworden.

Trotz meiner Grund-Sympathie für Menschen, die etwas riskieren und „unternehmen“,  halte ich die soziale Balance für ein hohes Gut unserer  Marktwirtschaft, das es zu verteidigen gilt gegen den globalen Turbo-Kapitalismus (Stichwort „Heuschrecken“ – Franz Münteferings großer Moment).  Weil sie den gewachsenen Einzelhandel, ein Herzstück alter Stadtkultur, und die mittelständischen Firmen aufs  Spiel setzt, verdient, so finde ich,  die glitzernde Internet-Welt – nicht nur Amazon, Ebay oder bestimmte Computer-Spiele – generell skeptische Beobachtung und notfalls gesetzliche Reglementierungen.  Eine Todes-Benachrichtigung oder ein Kondolenz-Schreiben als E-Mail, gar als Twitter-Kürzel? Wär‘ doch ein Graus. Dass wir spontan so empfinden, sollte uns nachdenklich machen im Blick auf den brausenden Internet-„Hype“. Nutzt ihn, doch lasst Euch nicht benutzen!

Von dem Schriftsteller Tzvetan Todorov stammt eines meiner Lieblings-Motti: „Um seine Würde zu wahren, muss man eine Situation des Zwangs in eine der Freiheit verwandeln“ – wie auch immer. Weil dies auch zu den Zielen der  1921 in London gegründeten, internationalen Autorenvereinigung PEN („Poets, Essayists, Novelists“) gehört, die sich vor allem um Meinungsfreiheit sowie um verfolgte Journalisten und Schriftsteller in aller Welt kümmert, bin ich immer noch Mitglied dieses „Clubs“. Seit den 70er Jahren des vorigen Jahrhunderts. Ich nehme mir die Freiheit, mich fast überall einzumischen, vorausgesetzt, etwas offensichtlich Wichtiges steht auf dem Spiel und es  gelingt mir, bei meiner Anteilnahme hinreichend sachkundig und selbstkritisch zu sein. Fabrikmäßige Massentierhaltung etwa finde ich unmoralisch („Der Gerechte…“ siehe oben). Die allzu selbstsicher tönende Trompete ist dabei nicht mein Ding:  im Medien-Business ein Nachteil, zu dem ich aber stehe.

Mit dieser Homepage möchte ich jeden Zeitgenossen ermutigen, dem Meinungsfreiheit, Stil, Würde, Geschichtsbewusstsein, gute Nachbarschaft, Naturschönheit, Liberalität, Gerechtigkeit und auch humorvolle Nachsicht gegenüber der Fehlbarkeit der Mitbürger – wie der jeweils eigenen –  am Herzen liegen. Und über jeden Zuspruch, den ich so  einsammeln kann, freue ich mich kindisch. Anonyme „Shitstorm“-Attacken und das ewige Verächtlich-Machen Andersdenkender (auch auf Demonstrationen) halte ich für krasse zivilisatorische Rückschritte. Da grüßt die Steinschleuder aus dem Hinterhalt, da brüllt der ungehobelte Höhlenzausel. Ein fächerübergreifendes Bündnis schreibender Würde-Verteidiger, das wäre „des Schweißes der Edlen“  wert.